Stachelige Gesellen

Eine Geschichte aus Tirolis Welt

„Gestern sind wir am Kastanienbaum vorbeigefahren und da lagen schon viele Schalen auf der Straße,“ erzählt Emilia ihren Freunden in der Pause. Die Lehrerin hat mitgehört und fragt: „Habt ihr heute Nachmittag Zeit, um Kastanien zu holen? Wir könnten im Werkunterricht lustige Figuren damit basteln!“ Hmmm … Eigentlich würden Moritz und seine Freunde ja lieber Fußball spielen, aber wenn die Lehrerin sie um einen Gefallen
bittet, wollen sie nicht „Nein“ sagen. Und wenn Tiroli auch mitgeht, wird es sicher ein lustiger Nachmittag. „Ja, machen wir gerne“, sagt Emilia eh schon.

Also ziehen sie am Nachmittag los. Tiroli hat auch an Papiersäcke und Gartenhandschuhe gedacht und Emilias Freundin Hanna hat noch eine Wasserflasche eingepackt. „Heute geht aber ein kalter Wind“, murrt Moritz. „Das passt gut“, beruhigt Tiroli, „der weht sicher viele Kastanien vom Baum!“

Tatsächlich liegen unter dem mächtigen Kastanienbaum, auf der Straße und in der Wiese daneben viele aufgeplatzte Schalen, aus denen die braun glänzenden Kastanien hervorlugen. Manche der grünen, stacheligen Kugeln sind noch geschlossen. Dann steigen die vier Freunde einfach mit der Ferse drauf und schon platzt die Hülle auf und zwei oder sogar drei Kastanien purzeln heraus. Moritz probiert es mit der Fußballmethode und kickt eine Stachelkugel gegen den Baumstamm. Verflixt, daneben! Die Kugel landet im Haselnussstrauch am Rand der Wiese.

Moritz läuft hin und schreit gleich drauf: „Da ist ein toller Laubhaufen!“ … und will schon mit den Füßen hinein, um das Knäuel auseinander zu wirbeln. „Stopp!“, ruft Tiroli sofort, „da könnte vielleicht ein Igel drunter liegen!“ Moritz hält erschrocken inne und zusammen untersuchen sie vorsichtig den Haufen aus Blättern, Gras und kleinen Ästen. Und wirklich sehen sie schon bald
die Stacheln eines Igels, der sich zusammengerollt in seinem Haufen für die Winterruhe bereit gemacht hat. Er schnarcht sogar schon ganz leise.

Alle vier starren auf das stachelige Tier, bis Hanna flüstert: „Wir sollten ihn wieder zudecken, sonst wird ihm kalt.“ „Aber vorher mach ich noch ein Foto mit meinem Handy“, sagt Moritz. „Das muss ich gleich allen zeigen.“ „Ein Foto kannst du ja machen“, meint Tiroli.„Aber wo wir den Igel gefunden haben, sollten wir niemandem verraten.“ „Genau“, stimmen die Mädchen zu, „sonst kommen alle her und stören den Igel immer wieder.“

Nachdem Moritz das Foto gemacht hat, legen sie vorsichtig Laub und Gräser auf das schlafende Tier und machen sich dann auf den Heimweg. „Jetzt teilen wir vier ein kleines Geheimnis“, murmelt Hanna vor sich hin. Am nächsten Tag basteln Emilia und Moritz in der Schule aus Kastanien und Zahnstochern kleine Igel und zwinkern sich dabei verschwörerisch zu.