Tiroli und der Zauber(er) des Frühling

Oder: Der Geheimcode für richtige Radl-Abenteuer

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Tiroli und der Zauber(er) des Frühlings
oder: Der Geheimcode für richtige Radl-Abenteuer

Frühlingsausgabe 2026

Tiroli hat wie jedes Jahr zur alljährlichen Eröffnung der Radlsaison geladen.
Das lassen sich Siggi Pieksi Igel, Kathi Samtpfötchen, Fridolin Schlaumaus und Emil Klugi Eule nicht zweimal sagen.

Immer nach dem dritten Vollmond im Jahr stehen die Sterne besonders gut, um die verstaubten und winterschlaflichen Fahrräder aus dem Keller zu holen. Also, los geht es mit „sauber, sauber, Sauberei“ – putzen, schrubben, spülen, trocknen, Bremsen in Gang bringen, Reifen anschauen, Kette ölen, Luft einpumpen, Klingel ausprobieren, Vorder- und Hinterlicht zum Leuchten bringen, Sitzhöhe einstellen und nicht zu vergessen: nachschauen, ob alle Rückstrahler noch in Form sind und das kleine Flickset mit Erste-Hilfe-Pflaster noch was taugt. Außerdem freuen sich schon alle auf den traditionellen Wissenstest von Emil Klugi Eule.

»Was ist die Gabel beim Fahrrad?«

»Ganz einfach! Wenn ich beim Fahrradfahren eine Pause mache und was Köstliches schnabuliere, habe ich immer eine Gabel dabei«, ist sich Kathi sicher.

Siggi muss lachen: »Also wirklich Kathi, so nennt man doch die beiden Arme, die das Vorderrad halten«

»Was versteht man unter dem Rahmen bei einem Fahrrad?«

»Das ist ein flottes Foto von mir auf dem Fahrrad in einem schönen Bilderrahmen!«, freut sich Siggi.
»Siggi, den Rahmen nennt man …«, Tiroli unterbricht seine Erklärung und schaut mit starrem Blick auf das Fahrradgestell.

»Was ist das denn? Schaut mal. Da ist etwas «

»Äh, aber das ist …«, Fridolin Schlaumaus möchte grad was erklären.

»Ja, tatsächlich! Da ist ein Buchstabe! Und Zahlen! Oder sind das zwei Buchstaben? Oder drei? Unheimlich. Wir müssen das sofort entziffern! Das scheint eine geheime Botschaft zu sein!«

Die detektivische Mannschaft ist völlig aus dem Häuschen.

»Aber das ist…«, Fridolin Schlaumaus kommt nicht zu Wort.

Tiroli nimmt seinen Spezialputzfetzen und reinigt vorsichtig die geheimnisvolle Stelle: B-R-1-7-6-5-D-R-A-J

»Was könnte das nur bedeuten? Denkt nach Leute!«

»B-R, wie Brot? Nein. B-R, wie Braten? Nein. BR, wie … Brücke!«, Emil Klugi macht seiner Klugheit alle Ehre.

»Und welche Brücke soll damit gemeint sein?«, über Kathis Köpfchen schwebt ein riesengroßes Fragezeichen.

»Keine Frage: Das kann nur die unheimlichste aller Brücken sein: die älteste Holzbrücke ihrer Art, aus dem Jahr 1765. Diese 4 Ziffern erklären das: 1765

»Hurra, wir sind ja fast am Ziel, nur noch ein paar Zeichen und schon kann das Abenteuer losgehen«, Siggi Pieksi Igel ist in Gedanken schon mittendrin.

Emil Klugi Eule ist vollkommen klar Tiroli braucht die alte Karte der alten Brücken. Die muss irgendwo zwischen den Kristallgeheimniskarten und dem Flaschenpostarchiv sein.

»Hier ist also die alte Brücke. Fridolin, wie geht der weiter?«

»Das ist doch …«, Fridolin wirkt zögerlich.

»Die nächsten Buchstaben, Fridolin! Los!«, Tiroli wird ungeduldig.

»D-R-A-J… aber …«

»D-R-A: Das klingt eindeutig nach… Drache! „J“ steht für seinen Vornamen – äääh Joachim. Ganz einfach«, Kathi freut sich fabulös über ihren Forschergeist.

»Äh, aber das ist …«, Fridolin Schlaumaus murmelt irgendetwas vor sich hin.

Emil Klugi Eule blättert wie wild im Kartenbuch der Drachenreiter und Sagenwandler. Nichts zu finden.

»Wir brauchen das Buch der Felsenzauberei«, sind sich Professor Emil und Tiroli einig.

Dieses seltsame Buch sieht aus wie ein Kochbuch, hat einen Umschlag wie ein Mathematikbuch und riecht wie ein Gartenzauberbuch.

»Alles klar!«, nach einer gefühlten Ewigkeit verkündet Tiroli die Lösung:
»Es handelt sich hier um keinen Geringeren als um den in der dunklen Rosanna-Schlucht!«

»Hilfe! Ein Zauberer! Ich will aber nicht verzaubert werden, womöglich in eine Feldmaus!« Kathi bekommt es mit der Angst zu tun.

»Äh, das äh …«, Fridolin kommt einfach nicht dran.

»Also auf die Räder, fertig los! Auf zur Alten Brücke und dem Zauberer!«, rufen die mutigen Radlforscher-Entdeckerfreunde.

Sie lassen alles liegen und stehen, stürzen sich auf ihre wintermüden Abenteuer-Räder. Hier kommen richtige Abenteurer des Weges: volle Fahrt auf der langen Geraden, die erste Kurve, linksherum, sauber genommen! Achtung, nächste Biegung – rechts, ganz knapp! Was für ein Tempo! Wieder eine Gerade, kräftig in die Pedale treten! Und die nächste Kurve …

Plötzlich: Klingeling-Paff! Pffffffffff! Doiiiiing! Wums!
Kathi hat ihre Klingel verloren, Siggi hat keine Luft mehr im Reifen und Emil ist in den Stauden gelandet: »Ich hab wohl vergessen, die Bremsen zu kontrollieren?!«

»Weit sind wir jetzt nicht gekommen. Ich glaube, unser Abenteuer ist verflucht, womöglich von dem bösen Zauberer.«

»Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Wie?«

Die Abenteurer erstarren vor Schreck. Ist das der schreckliche Zauberer?
Das kann doch gar nicht sein! Vor ihnen steht ein kräftiger Mann mit langem Haar, rauschendem Bart und tiefer Stimme.

»Sind Sie der Zauberer D-d-d-d-drajer?« zittern die Freunde.

»Naja, zaubern kann ich nicht. Aber eure Kisten könnte ich mir anschauen«, lacht Gerhard, der vorm Eingang seiner Radlwerkstatt steht, die sich auf die Rettung von Radln spezialisiert hat. Geduldig erklärt er den was beim Fahrradfrühjahrsputz eigentlich alles zu tun wäre.

Dann zeigt Tiroli Gerhard die geheimnisvolle Botschaft auf seinem Rad, als er anfängt zu lachen.

»Das, meine Freunde, ist die Rahmennummer. Also der Name des Fahrrades, sozusagen«

»Äh, ich äh…« Fridolin hebt schon wieder leicht die Hand.

»Was ist denn Fridolin?!«, die Freunde sind regelrecht genervt.

»Ich wollt nur sagen … dass ich euch das sagen wollte, das mit der Nummer“

Die Freunde schauen fassungslos in die Welt hinaus. Und müssen dann heftigst lachen. Der ganze umsonst. Aber was soll’s: viel gelernt, ein Abenteuer mit dem Finger auf der Landkarte erlebt und einen richtigen Radlmechaniker kennengelernt, der fast um die Ecke wohnt.

»«, singen die Freunde auf dem Weg ins nächste Abenteuer.

Geschichte von: Dieter Seelos / Illustrationen von: Paula Nikolussi

  • Eingraviert: So nennt man eine Einkerbung oder Vertiefung von Buchstaben und Zahlen in Holz oder Metall, damit sie für immer sichtbar bleiben.

  • Die Alte Rosannabrücke: Die älteste Holzbrücke von Tirol aus dem Jahr 1765 findet man bei Strengen im Stanzertal – einen Besuch wert.

  • Geheimer Code: Das ist eine Nachricht, die nicht jeder lesen kann und man erst herausfinden muss, was sie bedeutet.

  • Zauberer Drajer: Eine sehr bekannte Sagenfigur aus dem Verwalltal unweit von St. Anton am Arlberg, die in der ganzen Gegend bekannt und gefürchtet war. Übrigens: Sagenhaft ist nicht nur die Gegend, sondern auch das Freizeitangebot mit dem wunderschönen Verwallsee, Bike-Areal, Waldseilgarten, Sagenstationen und, und, und.
    Mehr unter: www.stantonamarlberg.com

  • Pedalritter: Lustiges Wort für richtige Fahrradhelden, die am liebsten gar nicht vom Radl absteigen wollen.

  • Zinnober: Umgangssprachlich versteht man darunter einen unsinnigen Aufwand oder unnützen Wirbel.
    Daher kommt auch der Satz: „Mach nicht so einen Zinnober“

  • Jo, mir sein mit’m Radl do: Das ist ein volkstümlicher Schlager und Jux- und Gaudilied, die deutsche Fassung geht auf das Jahr 1971 zurück.